Wie bereiten Sie Ihr Unternehmen auf die EUDI-Wallet vor?
Stellen Sie sich vor, Ihre Nutzer müssten nicht mehr verschiedene Dokumente hochladen oder immer wieder dieselben Daten eingeben. Stattdessen könnten sie alle relevanten Nachweise in einer einzigen App verwalten und genau die Informationen freigeben, die in der jeweiligen Situation benötigt werden – nicht mehr und nicht weniger. Zum Beispiel ihre Identität, ihr Alter oder eine bestimmte Berechtigung.
Genau dieses Konzept verfolgt die EUDI-Wallet.
Für Verbraucher bedeutet sie eine neue Möglichkeit, persönliche Daten sicher und selbstbestimmt nachzuweisen. Für Unternehmen stellt sich dagegen eine ganz praktische Frage: Welche Auswirkungen hat die EUDI-Wallet auf die Registrierung von Kunden, die Identitätsprüfung, den Zugang zu digitalen Diensten und den Umgang mit personenbezogenen Daten?
Wenn Ihr Produkt in Europa eingesetzt wird, lohnt es sich, sich frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen. So bleibt genügend Zeit, die eigenen Prozesse zu bewerten und die nächsten Schritte sinnvoll zu planen.
Für wen ist das relevant?
Besonders relevant ist die EUDI-Wallet für Unternehmen, die mit personenbezogenen Daten, Identitätsnachweisen oder offiziellen Dokumenten arbeiten.
Am häufigsten wird sie im Zusammenhang mit Banken und Finanzdienstleistern genannt. Im Rahmen von eIDAS 2.0 wird erwartet, dass Banken die EUDI-Wallet bis Ende 2027 unterstützen. Doch das Thema betrifft längst nicht nur den Finanzsektor.
Auch FinTechs, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen, Reiseplattformen sowie alle digitalen Dienste, bei denen Nutzer identifiziert oder Berechtigungen geprüft werden müssen, sollten sich frühzeitig mit der EUDI-Wallet beschäftigen.
Was kann sich für Unternehmen ändern?
Die größte Veränderung betrifft häufig den Weg, den Nutzer bis zum eigentlichen Ziel zurücklegen.
Heute sieht dieser Prozess in vielen Anwendungen ähnlich aus: Nutzer füllen zunächst ein Formular aus, laden Dokumente hoch, warten auf deren Prüfung und erhalten erst anschließend Zugriff auf den gewünschten Service. Dieser Ablauf ist etabliert, kostet jedoch Zeit und erfordert häufig manuelle Bearbeitung.
Mit der EUDI-Wallet kann ein Teil dieses Prozesses deutlich einfacher werden. Nutzer geben die benötigten Informationen direkt über ihre Wallet frei, während Ihr Service bereits verifizierte Daten erhält.
Dadurch können sich unter anderem folgende Bereiche verändern:
- die Registrierung neuer Kunden;
- die Identitätsprüfung;
- die manuelle Dokumentenprüfung;
- die Zeit bis zur ersten erfolgreichen Nutzung Ihres Services.
Dabei gilt: Nicht jedes Unternehmen wird gleichermaßen betroffen sein. In manchen Fällen ändert sich lediglich ein einzelner Prozessschritt, in anderen muss die gesamte Customer Journey neu gedacht werden.
Was sollten Sie in Ihrem Produkt überprüfen?
Der erste Schritt besteht darin, Ihre bestehenden Prozesse genauer zu betrachten.
Überlegen Sie, an welchen Stellen Nutzer ihre Daten eingeben, wo ihre Identität überprüft wird, wann Dokumente hochgeladen werden müssen und ab welchem Zeitpunkt sie Zugriff auf Ihren Service erhalten. Genau an diesen Stellen entstehen häufig unnötiger Aufwand und Reibungsverluste.
Wenn Ihr Registrierungsprozess viele einzelne Schritte oder manuelle Prüfungen umfasst, lohnt sich eine genauere Analyse. Gerade hier kann die EUDI-Wallet einen echten Mehrwert bieten.
Ein typischer Ablauf sieht heute oft so aus:
- Formular ausfüllen;
- Dokument hochladen;
- auf die Prüfung warten;
- anschließend Zugriff erhalten.
Mit der EUDI-Wallet könnte dieser Prozess künftig deutlich kürzer werden. Das verbessert nicht nur den Komfort für Ihre Nutzer, sondern kann den gesamten Registrierungsprozess effizienter gestalten.
Registrierung und erster Login
Besonders wichtig sind die Registrierung und der erste Login.
Genau an dieser Stelle brechen viele Nutzer den Prozess ab. Lange Formulare, zahlreiche Zwischenschritte oder manuelle Prüfungen führen häufig dazu, dass die Registrierung nicht abgeschlossen wird.
Prüfen Sie deshalb, wie viele Schritte ein neuer Nutzer bis zum erfolgreichen Abschluss durchlaufen muss. Überlegen Sie, an welchen Stellen der Prozess vereinfacht werden kann und welche Informationen tatsächlich bereits beim ersten Kontakt erforderlich sind.
Vor allem bei digitalen Produkten entscheidet der erste Eindruck oft darüber, ob Nutzer den Service weiterverwenden. Ein einfacherer Einstieg kann daher einen direkten Einfluss auf die Conversion haben.
Sicherheit und Datenmanagement
Die EUDI-Wallet steht nicht nur für eine bessere Nutzererfahrung, sondern auch für einen bewussteren Umgang mit personenbezogenen Daten.
Deshalb lohnt es sich, bestehende Prozesse kritisch zu hinterfragen:
- Welche personenbezogenen Daten speichern Sie?
- Wer hat Zugriff auf diese Daten?
- Wie stellen Sie sicher, dass die Informationen korrekt und aktuell sind?
- Wie dokumentieren Sie die Einwilligung Ihrer Nutzer?
Ebenso wichtig ist die Frage, welche Daten Sie tatsächlich benötigen. In vielen Unternehmen werden Informationen erhoben, obwohl sie für den jeweiligen Anwendungsfall gar nicht erforderlich sind.
Das bedeutet nicht, dass bestehende Prozesse sofort geändert werden müssen. Die Einführung der EUDI-Wallet bietet jedoch einen guten Anlass, Datenflüsse und Registrierungsprozesse zu überprüfen und gegebenenfalls zu vereinfachen.
Womit sollten Sie beginnen?
Sie müssen nicht sofort alle möglichen Anwendungsfälle analysieren. Sinnvoller ist es, mit einem konkreten Szenario zu starten.
Das kann beispielsweise sein:
- die Registrierung neuer Kunden;
- die Altersverifikation;
- die Identitätsprüfung;
- der Zugang zu geschützten Bereichen;
- oder der Austausch verifizierter Daten.
Wenn Sie sich zunächst auf einen einzelnen Anwendungsfall konzentrieren, lassen sich wichtige Fragen deutlich einfacher beantworten:
- Welche Voraussetzungen sind bereits erfüllt?
- Welche Anpassungen sind erforderlich?
- Wo bietet die EUDI-Wallet den größten Mehrwert?
- Ist zunächst ein Pilotprojekt sinnvoll?
Wann lohnt sich ein Pilotprojekt?
Wenn absehbar ist, dass die EUDI-Wallet für Ihr Produkt relevant wird, Sie aber noch keine vollständige Integration planen möchten, empfiehlt sich häufig ein Pilotprojekt.
Viele Unternehmen beginnen zunächst mit einer Sandbox oder einem Proof of Concept. So lässt sich ein konkreter Anwendungsfall unter realistischen Bedingungen testen, potenzielle Schwachstellen werden frühzeitig sichtbar und der tatsächliche Nutzen kann besser eingeschätzt werden.
Ein Pilotprojekt ist insbesondere dann sinnvoll, wenn:
- noch unklar ist, welche Auswirkungen die EUDI-Wallet auf Ihr Produkt haben wird;
- mehrere Einsatzszenarien infrage kommen und zunächst priorisiert werden müssen;
- Sie neue Prozesse vor einer vollständigen Integration validieren möchten;
- Sie praktische Erfahrungen sammeln möchten, bevor größere Investitionen erfolgen.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Einführung der EUDI-Wallet wird sich in den einzelnen europäischen Ländern unterschiedlich entwickeln. Deshalb sollten Sie nicht davon ausgehen, dass Zeitpläne und Umsetzung überall identisch sein werden. Eine länderspezifische Betrachtung ist in vielen Fällen sinnvoll.
Die nächsten Schritte
Wenn Ihre Analyse zeigt, dass die EUDI-Wallet Auswirkungen auf Ihr Produkt haben wird, empfiehlt sich in der Regel folgendes Vorgehen:
- den aktuellen Stand der EUDI-Readiness bewerten;
- einen priorisierten Anwendungsfall auswählen;
- notwendige Änderungen an Produkt und Prozessen analysieren;
- entscheiden, ob zunächst ein Pilotprojekt oder direkt eine Integration geplant werden soll;
- bei Bedarf erfahrene Partner für die Umsetzung hinzuziehen.
Wichtig ist vor allem, nicht erst zu handeln, wenn das Thema dringend wird. Wer sich frühzeitig mit der EUDI-Wallet beschäftigt, kann Veränderungen ohne Zeitdruck planen und die eigenen Prozesse gezielt darauf vorbereiten.