Deutsche Unternehmen forcieren ihre Investitionen in Digitalisierung und künstliche Intelligenz mit beispielloser Intensität, stoßen bei der praktischen Umsetzung im Betriebsalltag jedoch auf erhebliche strukturelle Hürden. Zu diesem Befund kommt der aktuelle „Future Readiness Monitor 2026“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nach einer Befragung von mehreren hundert Führungskräften.
Der Erhebung zufolge rangieren KI-Initiativen und Prozessautomatisierung bei 69 Prozent der befragten Betriebe an der Spitze der Budgetplanung für das laufende Geschäftsjahr. Dem hohen Investitionswillen steht jedoch eine ausgeprägte Bereitschaftslücke bei der Implementierung gegenüber: Lediglich 33 Prozent der Entscheider stufen die eigene IT-Landschaft und Mitarbeiterstruktur als ausreichend vorbereitet ein, um Modelle und Agenten produktiv in Kernprozesse zu integrieren.
Als wesentliche Engpässe identifiziert die Studie vor allem historisch gewachsene Softwarearchitekturen, fragmentierte Datensilos in ERP- und CRM-Systemen sowie Unsicherheiten bezüglich der rechtlichen Rahmenbedingungen unter dem europäischen AI Act. Mehr als die Hälfte der Betriebe gibt an, dass isolierte Pilotprojekte bislang nicht in den dauerhaften Regelbetrieb überführt werden konnten, weil spezialisierte Schnittstellen zu Legacy-Systemen und interne Entwicklungskapazitäten fehlen.
Für den IT-Mittelstand zeichnet sich daher ein strategischer Richtungswechsel ab: Reine Tool-Experimente weichen der Nachfrage nach ganzheitlicher Integration in bestehende Kernsysteme und robuster Middleware. Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg sei nicht der Zugang zu Modellen, sondern die handwerkliche Einbettung in Workflows, wie die Ergebnisse des KPMG Future Readiness Monitor verdeutlichen.
Quellen
- KPMG Deutschland, „Future Readiness Monitor 2026“, 10. September 2026
- Handelsblatt, „Deutsche Unternehmen investieren massiv in KI – doch die Umsetzung stockt“, 10. September 2026